Wann darf es ein "dry" oder "Sloe"-Gin sein?

August 27, 2017

Zunächst möchte ich es zugeben: Der Beitrag geht nicht nur auf vorherige Beratungen in der Kanzlei zurück, sondern ist durchaus auch privat motiviert: Ich teste sehr gerne neue (veredelte) Wacholderkombinationen. Schon seit Jahren lässt sich feststellen: Der Gin-Markt boomt! Statistiken zufolge wurde in Deutschland im Kalenderjahr 2016 ein Umsatz von rund 103 Mio. EUR mit dem Verkauf von Gin erlöst. 2017 wird eine Steigerung um weitere 2 Mio. EUR erwartet. 

 

Fortwährend strömen neue Player auf den Markt, die dem Neutralalkohol (Agraralkohol) neue sogenannte "Botanicals" hinzufügen und diese unterschiedlich kombinieren, um den Gin unterscheidbar und am Ende einzigartig zu machen. Mixology zufolge gibt es in Deutschland derzeit mehr als 200 Gin-Marken, Tendenz steigend. Neben den etablierteren deutschen Marken wie "The Duke", "Elephant" oder auch "Monkey 47" sowie "Ferdinand´s Saar Dry Gin" gibt es eine Reihe jüngerer Gin-Marken, wie z.B. "Feel" (München), "Dactari" (Chiemsee) oder "Muscatel" (Mainz). Die Liste ließe sich noch (deutlich) länger fortsetzen. Auch selber kann man den Gin herstellen, wie z.B. bei "Private Gin".

 

Was gibt es zum Thema Gin aus rechtlicher Sicht zu sagen? Nun ja, einiges. Wichtig ist zunächst, dass das was drauf steht auch drin ist und dass der Inhalt auch mit dem übereinstimmt, was erforderlich ist, um sich "Gin" nennen zu können. Maßgeblich ist hier die EU-Spirituosenverordnung aus dem Jahr 2008 (vgl. hier). Diese sieht vor, dass Gin (i) eine Spirituose mit Wacholdergeschmack ist, mit (ii) einem Mindestalkoholgehalt von 37,5% und bei der (iii) nur natürlich bzw. naturidentische Aromastoffe verwendet werden dürfen und bei dem der Wacholdergeschmack vorherrschend ist. 

 

Man unterscheidet beim Gin grundlegend zwei Arten: 1. den (einfachen) compounded Gin und 2. den destillierten Gin. Der compounded Gin wird durch Zusatz von Botanicals zum Neutralalkohol erzeugt, der destillierte Gin entsteht dadurch, dass das neutrale Destillat nochmals zusammen mit Wacholderbeeren und anderen pflanzlichen Stoffen destilliert wird. Findet diese zweite Destillierung nicht statt, darf sich der Gin nicht "destillierter Gin" nennen. Die meisten auf dem Markt erhältlichen Gins sind destillierte Gins. 

 

Häufig liest man auf den Etiketten den Zusatz "Dry Gin". Bis 2014 gab es hier "Wildwuchs", da nur für den "London Gin" (einen speziellen destillierten Gin) vorgesehen war, dass der maximale Zuckergehalt 0,1 g/je Liter betragen darf. Seit einer Novelle der EU-Spirituosenverordnung (vgl. hier) gilt, dass auch alle anderen Gins, die nicht "London Gin" sind, den Zusatz "dry" verwenden können, wenn der Gin nicht mehr als 0,1g Zucker/je Liter enthält. 

 

In manchen Fällen gibt es auch sog. geschützte geographische Angaben (ggA). Diese setzen im Gegensatz zu geschützten Ursprungsbezeichnungen voraus, dass wenigstens eine der Funktionen Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung in der Herkunftsregion ausgeführt sein muss. Beispiele sind z.B. der Nürnberger Lebkuchen oder die Schwäbischen Spätzle. Aus dem Bereich der Wacholderspirituosen gibt es den Steinhäger (aus dem ostwestfälischen Steinhagen) oder den ostfriesischen Korngenever (eben aus Ostfriesland). 

 

Kein Gin ist hingegen der Sloe-Gin, wie z.B. der Elephant Sloe Gin. Es handelt sich vielmehr um einen Likör (vgl. Nr. 37 EU-Spirituosenverordnung), der als alkoholische Basis weder Gin noch Wacholder enthalten muss. Er teilt mit dem Gin (zulässigerweise) nur den Namen. Er wird durch Mazeration von Schlehen, also durch das Einweichen von Schlehen, gewonnen und muss einen Mindestalkoholgehalt von 25 Vol. % haben (der Elephant Sloe Gin hat sogar 35 Vol. %). Um zu verdeutlichen, dass es sich um einen Likör und eben keinen Gin im o.g. Sinn handelt, darf der Zusatz "Likör" verwendet werden. 

 

Ebenfalls durch Mazeration von Schlehen gewonnen wird der spanische Pacharán. Diese Spirituose entsteht ebenfalls durch Mazeration von Schlehen. Seit der Novelle der Spirituosenverordnung aus dem Feb. 2015 (vgl. hier). Auch bei Pacharán handelt es sich um eine ggA. Erforderlich ist daher, dass die Spirituose in Spanien hergestellt worden ist. Ist dies nicht der Fall, muss der Zusatz "Mit Schlehen aromatisierte Spirituose" und "hergestellt in..." verwendet werden. 

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