Bayern - Land der Biere und des Heimatgefühls: "Neuschwansteiner" Bier aus Schwangau und "Chiemseer" aus Rosenheim

February 4, 2018

Wer ein "Tegernseer" trinkt, erwartet, dass dieses in Tegernsee gebraut wurde und ein "Ayinger" soll bitte auch aus Aying kommen. Diese Erwartung ist im Ausgangspunkt durchaus verständlich. Ein Bier mit einer Ortsangabe oder Verweis auf ein kulturelles Denkmal, wie das Schloss Neuschwanstein, hat aus dem Ort zu kommen. Denn der regionale Bezug soll den Verbraucher nicht in die Irre leiten - will sagen: Kommt das Bier nicht von dem Ort, der als Bezeichnung gewählt wurde, dann könnte man auf die Idee kommen, dass darin eine wettbewerbswidrige Irreführung zu erblicken sei. 

 

Insoweit war nachvollziehbar, dass die Zentrale für die Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs das "Neuschwansteiner" angriff, da dieses eben nicht in Neuschwanstein, sondern in der Nähe, in Schwangau gebraut wird. Hinter dem Neuschwanstein steckt die "World auf Neuschwansteiner Holding GmbH & Co. KG". Besonders am Neuschwanstein ist aber nicht nur dieser Zusammenhang, sondern vor allem, dass es sich um ein absolutes Premium-Bier handelt: Das im Jahr 2014 auf den Markt gebrachte Bier kostet 39,50 EUR/Flasche. 

 

Unter Berufung auf den "Chiemseer-Fall" hätte man denken können, dass dies ebenfalls eine Irreführung darstellt. Anders entschied jedoch das OLG München am 1.2.2018. Denn niemand, so das OLG, "könne erwarten, dass im Schloss zwischen all den Touristen und Souvenirständen auch noch eine Brauerei Platz habe". Deshalb sei der Name "Neuschwansteiner" nicht als geographische Herkunftsangabe aufzufassen. Anders argumentiere die Wettbewerbszentrale. Diese hatte vorgebracht, dass die Angabe "Neuschwansteiner" suggeriere, dass das Bier in den Schlossmauern gebraut worden sei. Dies sei besonders dann zu erwarten, wenn das Bier - wie vorliegend - einen besonders hohen Preis habe. Die Richter sahen dies - wie erwähnt - anders. Er entgegnete: "Bei Füllern von Montblanc wisse ja auch jeder, dass diese nicht auf dem Berg hergestellt werden". 

 

Eine (kleine) Bauchlandung erlebte das "Neuschwansteiner" aber aufgrund des Aufdrucks, gebraut nach der "Methode royale". Diesbezüglich befand das OLG, dass der Kunde eine Art "royale Braumethode" erwarte, die es aber gar nicht gebe. In der mündlichen Verhandlung stellte der Senat vielmehr fest, dass es sich um ein "normales" Märzenbier handele. Der Aufdruck muss daher künftig verschwinden

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload